Mai 27, 2017

Stippvisite in Malawi

wenig Verkehrsmittel aber gut genützt
Unsere Nerven sind angespannt. Seit zwei Stunden stehen wir in der Schlange vor einem Bankschalter. Wir befinden uns an der malawischen Grenzstation und müssen die Gebühr für den temporären Import des Unimogs zahlen. USD 15,-- und eine Transaktion von zwei Minuten.
Kein Problem wäre da nicht halb Malawi vor uns in Warteposition. 



Mit Geduld ist es irgendwann geschafft und wir rollen los. (Anm. LKW Gebühren sind normalerweise höher aber wir haben wieder mal unsere PKW Papiere verwendet – nicht nach machen es war knapp).

Malawi See

Schon auf den ersten Metern müssen wir uns an  die schlechten Strassen gewöhnen. Der Asphalt ist mit Schlaglöchern übersät oder hat welligen Teerbelag. Verkehr begegnet uns dafür nur wenig. Ausser einigen Minibussen die als öffentliche Verkehrsmittel zwischen den Orten unterwegs sind ist nicht viel los. Malawis Strassen sind das Reich der Fussgänger und Radfahrer. Sie bevölkern die Strassenränder und es scheint als gäbe es sonst gar keine Wege. Im Gegensatz zu Tansania wo jeder vor grossen LKWs oder Bussen rechtzeitig zur Seite weicht lässt sogar unser lautes Gehupe die Menschen unberührt. Wir müssen vorsichtig sein und meist selbst ausweichen.
Malawi ist anders als die ostafrikanischen Länder die wir bisher bereisten. Obwohl
im Vergleich zu seinen Nachbarn ein Winzling  zählt es zu den am dichtesten besiedelten Ländern des Kontinents. Ein Viertel des Landes besteht aus dem Malawi See und der Rest ist ungefähr so gross wie Österreich. Dennoch leben hier bald doppelt so viele Menschen wie in unserem Heimatland.

Abschlussfeier einer Secondary School
Die Kinderscharen erscheinen uns noch grösser als anderswo und wir sehen besonders viele junge Mütter die selbst noch halbe Kinder sind. Nichts desto trotz ist Malawi ein herzliches Land und wird selbst von Einheimischen als das warme Herz Afrikas bezeichnet.
Es strahlt eine kollektive Entspanntheit aus. Man lacht, winkt und ist nie in Hektik. Kaum zu glauben aber wir finden alles läuft noch einen Dik langsamer als in den Nachbarländern. Trotzdem sind alle gut genährt und der Grossteil auch auffällig nett gekleidet. Malawi zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas aber niemand läuft in zerlumpten alten T-Shirts herum. Sogar  die Kinder, die meist die ältesten Kleidungsstücke tragen sind durchwegs schön angezogen.

Rad Transporter
Ein Paradoxon das wir nicht wirklich verstehen. Unübersehbar ist nur dass es keine Hungersnot gibt. Das Land ist sehr fruchtbar und der See versorgt alle mit Fisch. Den Rest sponsert die EU könnte man meinen. In jedem Dorf entlang des Sees findet sich eine Tafel mit der EU Flagge  und einem Förderprojekt. Wahrscheinlich wurden auch die vielen Brunnen mit dieser Hilfe finanziert.

Kinder immer und überall
Jedenfalls geniessen wir  Malawi als perfektes Reiseland. Die Anzahl von Campingplätzen und Lodges ist für uns ungewohnt. Wir treffen insgesamt mehr Overland, Radfahr und Rucksack Touristen als auf unserer gesamten Reise. Mit Freude besuchen wir auch den Shoprite Supermarkt in Mzuzu. Der erste westlich anmutende Einkaufstempel seit langem. 

Malawi Landesinnere
So arbeiten wir uns also langsam die Küste bis Senga Bay nach unten. Der See birgt zwar Bilharziose Gefahr, diese mikroskopischen Würmer die durch die Haut eindringen, aber die langen weiten Sandstrände sind meist so Wind ausgesetzt dass der Wellengang für genügend Bewegung sorgt und so das Risiko einer Infektion stark reduziert. In ruhigen Küstenabschnitten oder mit Schilf bewachsenen Regionen verzichten wir einfach auf das Badevergnügen.

Naturheilmittel Marktstand

Zur Sicherheit besorgen wir uns aber in einer Apotheke die Medikamente zur Bilharziose Behandlung. Eine Erfahrung der besonderen Art. Statt einer Medikamentenschachtel erhalten wir abgezählte einzelne Pillen in einem Sackerl. Keine Aufschrift, kein Beipackzettel. Wir werden sie hoffentlich nie brauchen.

Nach fast zwei Wochen haben wir einige schöne Strände erkundet und verlieren die Lust auf weitere. Den schönsten fanden wir übrigens beim Cintheche Inn. Eine wunderschöne gepflegte Lodge mit riesiger Campsite, englischen Rasenflächen und weissen feinen Sandstrand.
Wir verwerfen unseren ursprünglichen Plan auch noch den südlichen Landesteil zu bereisen. Schlechte Strassen hatten wir bereits genug und die Nationalparks des Landes erscheinen uns zu wenig attraktiv. Wilderei war und ist ein grosses Problem und der Bevölkerungsdruck zwingt die Parkverwaltungen Zäune zu errichten.

Tänzer im Bananenblatt Kostüm
Zum Abschluss verbringen wir noch drei Tage in der Hauptstadt Lilongwe. Klein und übersichtlich wie das ganze Land aber mit grossen Shoppingmalls. Viele Geschäfte werden wie so oft in Afrika von Indern und Arabern geführt. Ein Luxus für uns sind die grossen Supermärkte. Nach dem  kargen Angebot in Ostafrika wühlen wir uns begeistert durch die Regale und finden erstmalig wieder Schinkenwurst.

Fischfang mit Einbaum Holzbooten
Am Weg zur Grenze nach Sambia machen wir dann noch Bekanntschaft mit dem ersten korrupten Polizisten unserer Reise. Angehalten wurden wir ja bereits schon öfters und einmal mussten wir in Tanzania sogar Strafe wegen fehlender Reflektoren bezahlen aber noch nie wollte jemand von uns so offensichtlich einfach nur kassieren wie diesmal. Er meinte man darf in Malawi keine Devisen einführen und als Ausländer hätten wir ja welche dabei und forderte daraufhin USD 50,--. Leider hatte er uns vorher den Führerschein abgenommen und so war unsere Verhandlungsposition nicht optimal. Schlussendlich präsentierten wir ihm unsere Fake Geldbörse die wir mit abgelaufenen Banknoten und Restgeld aus dem Iran befüllt hatten. Ein Bündel Geld aber kaum werthaltig. Er durchwühlte die Scheine und verzichtete dann doch auf seine Forderung.
Ein Vorfall der in jedem Land passieren könnte und auf den man sich nicht wirklich vorbereiten kann.